Bulletin Unterstützte Kommunikation

Heute steht ihnen Vielzahl elektronischer, aber auch nicht-elektronischer Kommu­nikations­mittel zur Verfügung. Bulletin zeigt auf, was mit Unterstützter Kommuni­kation alles möglich ist.

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Nützliche Links

Der Verein Bildung und Unter­stützte Kommu­nika­tion bietet Kurse zum Themenbereich UK.

www.buk.ch

Active Communication ist der führende Anbieter in der Hilfsmittel­versorgung für Assistive Technologien in der Schweiz.

www.activecommunication.ch

Das Schwester­unter­nehmen Active Education bietet nebst einem Webshop für Lern­materialien die Ideenbox «aimline» an. Mit einem Abonne­ment erhält man monatlich tolle Einsat­zideen für den Alltag.

www.active-education.ch

Von der Sprache der Nicht-Sprechenden zur Unterstützten Kommunikation

Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sie läuft meist über Sprache, was nicht-sprechende Menschen benachteiligt. Unterstützte Kommunikation, auf Englisch Augmentative and Alternative Communication ACC, will auch Menschen ohne effektive Lautsprache eine Stimme geben.

«Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.» Dieser Satz des deutschen Philosophen Karl Jaspers stimmt nachdenklich. Sich anderen mitteilen können ist zweifellos eine urmenschliche Fähigkeit. Das Wort Kommunikation hat lateinische Wurzeln und bezeichnet die Übertragung von Informationen sowie den Austausch miteinander. Kommunikation ist also als soziale Handlung zu verstehen, die Teilhabe an der Gemeinschaft ermöglicht.

Aber was ist mit Menschen, die nicht reden können? Denkt Jaspers auch an die vielen alternativen Kommunikationsmöglichkeiten neben der verbalen Sprache? Wie können diese Menschen am Austausch und damit an der Gesellschaft teilhaben?

Was ist Unterstützte Kommunikation?

Genau damit befasst sich die Unterstützte Kommunikation (UK). Sie geht davon aus, dass alle ein Bedürfnis nach Kontakt und Austausch hat. Sie orientiert sich an einem humanistischen Menschenbild und betont das Recht jedes Menschen auf Selbstbestimmung und Partizipation. Als Oberbegriff umfasst UK alle pädagogischen oder therapeutischen Maßnahmen zur Erweiterung der kommunikativen Kompetenzen von Menschen, die nicht oder kaum über Lautsprache verfügen.

Ziele der Unterstützten Kommunikation

UK möchte in ihrer Sprache beeinträchtigte Menschen zu einer unabhängigen und effektiven Kommunikation im Alltag verhelfen. Wichtigstes Ziel ist es, eine möglichst ungestörte kommunikative Entwicklung zu erreichen. Dafür braucht es die Erfahrung erfolgreicher Kommunikation, egal ob dazu Lautsprache, körpereigene Möglichkeiten oder Kommunikationshilfen eingesetzt werden.

Im Vordergrund steht das Gelingen des Kommunikationsprozesses. Über die Kontaktaufnahme hinaus soll ein gemeinsames Zeichensystem zur Verständigung erarbeitet werden. Die Vielfalt dieser Zeichen ist fast unbeschränkt, z.B. körperliche Ausdrucksformen, Laute, Wörter, Objekte, Bilder und Symbole, Berührungen, Bewegungen, Gebärden, Düfte, Geräusche, Klänge. Entscheidend ist einzig, dass die Zeichen für die beteiligten Kommunikationspartner eine gemeinsame Bedeutung bekommen.

Wem dient Unterstützte Kommunikation?

Menschen, die aufgrund von angeborenen oder erworbenen Schädigungen in der sprachlichen Verständigung mit ihrer Umwelt eingeschränkt sind, können von UK profitieren. UK zielt auf ein breites Spektrum von Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungsformen. Sie bietet einerseits Kommunikationswege auf hohem Komplexitätsgrad an. Anderseits sucht sie basale Verständigungsmöglichkeiten und erste gemeinsame Zeichen mit schwerstbehinderten Menschen.

Je nach Zielgruppe erfüllt UK unterschiedliche Funktionen: Bei Menschen, die Lautsprache zwar gut verstehen, deren Ausdrucksmöglichkeiten aber eingeschränkt sind, dient sie als expressives Mittel. Für Menschen, die Schwierigkeiten beim Erlernen der Lautsprache haben bzw. deren Lautsprache nur mit zusätzlichen Hilfsmitteln verständlich ist, bietet sie Unterstützung für die Lautsprache. Menschen, für die Lautsprache zu komplex ist und die eine geeignete Alternative benötigen, benutzen UK als Ersatzsprache.

Schadet Unterstützte Kommunikation?

Gegenüber UK gab und gibt es einige Vorurteile. Eines davon ist die Befürchtung, dass Kommunikationshilfen die Entwicklung der Lautsprache verhindern. UK kam/kommt erst zum Zug, wenn jahrelange Bemühungen mittels traditioneller Logopädie erfolglos verlaufen sind. Inzwischen belegen zahlreiche Studien und jahrelange Praxiserfahrungen, dass UK ganz im Gegenteil einen Weg darstellen kann, die lautsprachlichen Fähigkeiten zu fördern.

Ein weiteres Vorurteil betrachtet UK als überflüssig. Angehörige und enge Bezugspersonen lernen oft, die Bedürfnisse der beeinträchtigten Person buchstäblich von den Augen abzulesen. Wie sollen jedoch Dritte, die nicht auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen können, sich mit ihr verständigen? Ausserdem reicht es nicht aus, Bedürfnisse zu vermitteln und diese zu verstehen, wenn Kommunikation als gemeinsamer Austausch verstanden wird. Reine Bedürfnisäusserungen oder Rückmeldungen durch Nicken und Verneinen lassen nur eine funktionelle Kommunikation entstehen. Kommunikationshilfen können hingegen die Möglichkeit eröffnen, sich selbständig zu äussern und damit Teilhabe zu erleben.

Entwickeln Kinder ihre Lautsprache erst verzögert, eingeschränkt oder gar nicht, kommt UK oft erst spät zum Einsatz. Es wird angenommen, ihr Einsatz sei in der vorsprachlichen Phase noch nicht angezeigt. Dabei ist Kommunikation wesentlich mehr als Sprache. Besonders Kleinkinder kommunizieren über Weinen, Lachen, Mimik und Körpersprache. Lange bevor sie das erste Wort sagen, beginnen sie auf Dinge zu zeigen und zu lautieren. UK kann schon kleine Kinder darin unterstützen, wichtige vorsprachliche Entwicklungsschritte zu machen, was sich auch auf die Entwicklung in anderen Bereichen wie Kognition, Spielverhalten und der sozialen Interaktion positiv auswirkt.

Schritte auf dem Weg

Wenn Kinder das Ursache-Wirkungs-Prinzip verstehen und festigen, tun sie einen ersten wichtigen Schritt in der Kommunikationsanbahnung. Denn eine zielgerichtete Kommunikation setzt voraus, dass sie etwas bewirken will. Werden Kinder den ganzen Tag gepflegt und geniessen automatisch, ohne etwas dafür zu tun, Aufmerksamkeit, verlieren sie oft die Eigenaktivität und das Interesse an ihrer Umwelt. Um Eigenaktivität und Lernprozesse zu fördern ist es sinnvoll, Handlungen mit spielerischen Elementen zu verknüpfen.

Besondere Spielsachen (z.B. ein adaptiertes Stofftier mit einem angeschlossenen Taster) bieten hier gute Möglichkeiten, die Motivation hervorzurufen. Auch für grössere Kinder eignen sich Spiele als ideales Übungsfeld für die Anwendung von Kommunikationshilfen sowie Gelegenheiten für soziale Interaktion: Beim Miteinander-Spielen entwickelt sich ebenfalls das Miteinander-Sprechen. Später gibt es viele ansprechende Materialsammlungen, welche die Motivation für den Einsatz von elektronischen und nicht-elektronischen Hilfsmitteln fördern und den Umgang damit üben.

Was gehört alles dazu?

Als Ergänzung oder Ersatz von Lautsprache werden verschiedene Elemente genutzt: körpereigene Kommunikationsmöglichkeiten, nicht-elektronische und elektronische Kommunikationshilfen.

Körpereigenen Mitteln umfassen alles, was mit Hilfe des eigenen Körpers vollzogen werden kann: Lautierungen, Lautsprachreste, Blickbewegungen, Mimik, Zeigebewegungen, Körperbewegungen, Ja/Nein-Zeichen (individuell oder konventionell), Gebärden, Fingeralphabet und andere. Der Vorteil dieser Ausdrucksformen ist, dass sie schnell, spontan und ortsunabhängig benutzt werden können. Sie benötigen keine Hilfsmittel. Körpereigene Kommunikationsformen können im Umgang mit vertrauten Partnern die effektivste Art der Verständigung sein.

Zu den nicht-elektronischen Hilfen gehören beispielsweise Kommunikationskästen mit konkreten Objekten. Eine Person kann durch ihre Blickrichtung, durch eine Zeige- oder Greifbewegung direkt aus zwei ihr angebotenen Objekten auswählen und damit etwas mitteilen. Gegenstände können auch für eine Handlung stehen oder als Symbol genutzt werden. Sie werden besonders bei Menschen mit Sehbehinderung oder mit starker kognitiver Beeinträchtigung eingesetzt, da sie sich auch taktil unterscheiden lassen. Zu den graphischen Symbolen gehören Fotos, Bilder, Zeichnungen, Symbole und Schrift. Sie können auf einzelnen Karten, in Büchern, Ordnern oder auf Tafeln angeboten werden. Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen können sich durch das Zeigen auf eines oder mehrere Symbole mitteilen.

Elektronische Kommunikationshilfen wandeln Eingaben in Sprache um. Die Eingabe erfolgt über eine Tastatur oder andere Eingabegeräte. Man unterscheidet zwischen stationären und tragbaren (mobilen) Systemen sowie zwischen solchen mit Schriftsprachausgabe und/oder mit Lautsprachausgabe. Letztere kann natürlich sein (digitalisierte Sprache), oder sie wird im Gerät erzeugt (synthetische Sprache). Bei einfachen Sprachausgabegeräte mit einer oder zwei Tasten lassen sich über ein Mikrofon Musik, Geräusche oder Aussagen aufnehmen und beim Auslösen wiedergeben. Auch Geräte mit neun oder zwanzig Feldern gehören noch in diese Kategorie. Sie verfügen über ein statisches Display und weder über Grundwortschatz noch Grammatikfunktionen. Komplexe Geräte machen es möglich, aus einem großen Wortschatz verschiedene Aussagen miteinander zu verknüpfen und sich bei einigen über graphische Symbolkombinationen grammatikalisch richtig auszudrücken. Meist ist das Display dynamisch, damit der Nutzer auf verschiedenen Ebenen selbstständig auf Vokabular zugreifen kann.

Was trägt zum Gelingen bei?

In der UK wird ein multimodales Kommunikationssystem angestrebt, das mehrere unterschiedliche Hilfen miteinander kombiniert und somit die Abhängigkeit von einer Form verringert. Bei der Planung von UK-Massnahmen empfiehlt sich der Einbezug möglichst vieler Bezugspersonen, um ein im Alltag wirklich umsetzbares System erarbeiten zu können. Neben der Auswahl geeigneter Kommunikationshilfen ist auch das Erlernen von Kommunikationsstrategien im Umgang damit von Bedeutung. Das UK-Konzept sieht nicht nur das Bereitstellen von Hilfsmitteln vor, sondern eine umfassende sonderpädagogisch-therapeutische Begleitung der kommunikativen Entwicklung von Menschen mit unzureichenden lautsprachlichen Fähigkeiten.

Für den Erfolg von UK sind die Haltung der Kommunikationspartner und ihre Kompetenzen in der Gesprächsführung zentral. Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigungen nutzen eine angebotene Hilfe kaum von Anfang an initiativ und kommunikativ. Bezugspersonen können durch Vormachen oder Zusammenmachen (Modelling) viel zum Erlernen von UK-Strategien beitragen. Dafür müssen sie das Kommunikationshilfsmittel selber kennen, es täglich und in verschiedenen Situationen einsetzen, damit der Umgang damit selbstverständlich wird. Oftmals scheitert der Kommunikationsprozess nur schon daran, dass sich das Gegenüber nicht genügend Zeit nimmt, um der unterstützt kommunizierenden Person zu erlauben, sich auszudrücken. Offenheit und Geduld lassen den Raum für einen echten Austausch entstehen. Denn etwas (noch) nicht sagen zu können bedeutet nicht, nichts zu sagen zu haben.

Aus Bulletin 2014/2

Gebärdensammlungen

Die Deutschschweizer Gebärdensprache ist ein eigenständiges Sprachsystem. Sie verwendet das internationale Fingeralphabet. Auf der Website des Schweizerischen Gehörlosenbunds, SGB, findet man unter Fingershop hilfreiche Lernmaterialien wie Memorys und Gebärdensuchbücher, unter Gebärden-Portal ein online-Lexikon der Gebärdensprache.

www.sgb-fss.ch

Anita Portmann entwickelte in der Schweiz die Begriffs- und Gebärdensammlung «Wenn mir die Worte fehlen» für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Sie arbeitet seit 2018 mit dem Wohnheim Tanne für Blinde und Taube zusammen, mit dem sie eine sehr taktile, an die speziellen Kommunikationsbedürfnisse von Personen mit Hörsehbehinderung und mehrfacher (Sinnes-)Behinderung angepasste Gebärden entwickelt hat.

www.tanne.ch > Porta

Sprachcomputer

Lifetool - Computer aided communication stellt unter dem Titel «Das Rad nicht neu erfinden: Vorlagen für die Praxis» Materialien für verschiedene elektronische Hilfsmittel zur Verfügung. Man findet beispielsweise Symboltafeln und Geräteoberflächen.  Diese Plattform lebt vom Austausch der Benutzer untereinander. Deshalb sind alle aufgefordert, ihre Ideen auch mit anderen Nutzerinnen zu teilen, damit alle voneinander profitieren.

www.lifetool.at > Vorlagen

Der ISAAC-Flyer von Matthias Adam gibt 10 Tipps zum Umgang mit dem Talker.

Flyer herunterladen

Apps

Die Suche nach geeigneten Inhalten, den sogenannten Apps (Applikationen), stellt die Hauptschwierigkeit beim Einsatz von iPads und Tablets dar. Es gibt Unmengen von Spielen und Lernprogrammen, deren Einsatz sich in verschiedenen Bereichen lohnen. Hilfreich für die Auswahl geeigneter Apps sind verschiedene Sammlungen mit Empfehlungen. Unterstützung findet sich auch in virtuellen Netzwerken oder auf Blogs, wo sich Fachpersonen und Angehörige über Apps und deren Einsatz austauschen und einander Tipps geben.

App-Liste von Lifetool Österreich unter www.lifetool.at > App-Tipp

www.cluks-forum-bw.de

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